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SAV – Fußballprojekt mit Flüchtlingen weiterhin mit hervorragender Resonanz

Seit mittlerweile 7 Wochen läuft das Projekt „Fußball für Flüchtlinge“ bei unserer SG Aumund-Vegesack. Und das sehr erfolgreich! Die letzten beiden Einheiten im Stadion Vegesack wurden jeweils von 27 fußballinteressierte Flüchtlingen im Alter von 10 bis 46 Jahren besucht.

„Die Resonanz ist weiterhin sehr gut, die kontinuierliche Teilnehmerzahl von stets über 20 Teilnehmern ist mehr als erfreulich“ gab Organisator Holger Franz zu Protokoll. Mit Omar Chabo,  Student an der Hochschule für öffentliche Verwaltung, wird das Projekt ab sofort durch einen weiteren ehrenamtlichen Helfer unterstützt. Er wird sich zunächst vornehmlich um die Kicker unter 15 Jahren kümmern. Das Training leitet die nächsten drei Wochen Ramzi Mahjoub, der den urlaubenden Coach Sabri Mrad bereits am letzten Freitag hervorragend vertreten hat. Beiden „Neuen“ im Voraus herzlichen Dank für Euer Engagement!

Es werden weiterhin Unterstützer für die Anschaffung von Trainingsmaterial und Sportklamotten gesucht. Wer das Projekt materiell oder auch finanziell unterstützen möchte, möge sich bitte bei Organisator Holger Franz per Email unter franz@sav-fussball.de melden.

Am letzten Freitag besuchte Redakteur Ulf Buschmann den bestens frequentierten Übungsnachmittag. Anbei sein Bericht, vielen Dank dafür!

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Die Stimmungsaufheller
Die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack aus Bremen bietet einmal in der Woche Fußball für Flüchtlinge an

Von Ulf Buschmann

Ein fröhliches vielsprachiges Stimmengewirr schallt herüber. Deutsch, Englisch, Arabisch, Albanisch, Rumänisch. Die halbe nördliche Halbkugel scheint sich auf den 90 mal 60 Metern des Kunstrasenplatzes zu treffen. Die Stimmung ist gut, die Leute lachen viel, sind aber auch konzentriert bei der Sache. Einige präsentieren sich als wahre Dribbelkünstler, andere sind so etwas wie der ruhende Pohl der Mannschaft.

Es ist ein ganz gewöhnlicher Trainingstag der Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack (SAV), wie es scheint. Und doch ist es anders als gewöhnlich. Heute nämlich trainiert nicht eine der vereinseigenen Mannschaften. Vielmehr gehört der Kunstrasenplatz heute den Flüchtlingen aus dem Stadtteil. Seit Juni bietet der Verein mit seinen knapp 1.900 Mitgliedern und seiner mehr als 120-jährigen Geschichte an zu kicken.

Genau 1.000 Euro hat Holger Franz, Sport- und Pressewart der Fußballabteilung, dafür zur Verfügung. Das Geld – unbürokratisch bewilligt – kommt jeweils zur Hälfte über den Landessportbund vom Bremer Senat und der Egidius-Braun-Stiftung des DFB. Vorerst bis Ende des Jahres leistet der Verein damit seinen Beitrag, um die Zuwanderer über den Sport zu integrieren – in die neue Umgebung sowie mittel- bis langfristig in den Verein. „Fußball verbindet, das wird überall gespielt“, sagt Holger Franz.

Integration solle jedoch nicht nur über den reinen Sport erfolgen, vielmehr spielt die Sprache dabei eine große Rolle. „Unser Ziel ist es, alle Kommandos und Anweisungen mittelfristig nur noch auf deutsch zu vermitteln. Dadurch lernen die Leute die Sprache“, ist der Projektleiter und -initiator überzeugt, dies mache ihnen natürlich das Einleben leichter.

Davon ist auch Aushilfstrainer Ramzi Mahjoub, der den derzeit urlaubenden Chef-Trainer Sabri Mrad vertritt, überzeugt. Für ihn ist das Training am Freitag mit den Flüchtlingen „ein gutes Erlebnis“. Er ergänzt: „Die Jungs verstehen sich untereinander und hören zu.“ Sie lachten viel, seien gleichzeitig aber sehr diszipliniert.

Einer von ihnen ist der 27-jährige Amir (Name geändert). Er ist aus der syrischen Stadt Aleppo geflohen als ihn die Armee zum Kampf gegen die eigene Bevölkerung einziehen wollte. Seit einem Monat lebt der studierte Betriebswirtschaftler in Bremen und ist froh, Fußball spielen zu können. In Syrien habe er als Halbprofi in der 2. Division gespielt.

„Wir jungen Leute möchten nicht nur herumsitzen und essen, wir möchten etwas tun und uns in die Gesellschaft einbringen“, sagt Amir. Durch den Sport habe er erfahren, dass so etwas in Deutschland möglich ist. „Sie haben unsere Häuser zerstört, aber nicht unsere Seelen“, gibt sich der junge Mann kämpferisch. Jetzt nimmt er noch schnell einen großen Schluck aus der Mineralwasserflasche, zieht sich um und verabschiedet sich. Bis zum nächsten Freitag um 16 Uhr zum nächsten Kick.

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